Unterricht

Mein Schlagzeug als Kunst
Bild: Sabina Winkelnkemper (Bielefeld)

Oh! Ich freue mich, dass Du Dich für meinen Unterricht interessierst. Ich gebe seit ca. 1990 Schlagzeugunterricht und mache das seitdem auf eine bestimmte Weise. Und die will ich mit Dir teilen, da ich auf diese Weise meine Schülerinnen und Schüler fast immer sehr gut auf den Weg- auf ihren Weg gebracht habe.

Mir ist es wichtig, dass die Lernenden die nötigen Werkzeuge in die Hand bekommen mit denen sie dann alleine weiter kommen.

Zuerst mache ich verschieden grundsätzliche Annahmen.

  1. Das DrumSet ist ein Musikinstrument!
  2. Die Musik, in der das DrumSet mitspielt, ist in der Regel in Liedform (Liedform: Strophe (Teil A), Refrain (Teil B), Instrumentalteil (Teil C), Brücken, Intro, Outro).
    Lieder bestehen in erster Linie aus einer Melodie (einzelne Töne, die unterschiedlich lang und "hoch" sind, nacheinander, möglicherweise mit Text). Es gibt Akkorde (Harmonien - mehrere Töne gleichzeitig, oder als Arpeggio gebrochen) und es gibt Basslinien (einzelne Töne, die unterschiedlich lang und "tief" sind, nacheinander).
    Das DrumSet kann keine Töne (physikalisch festgelegte Schwingungen) erzeugen, sondern produziert Geräusche. Also kann das DrumSet die oben beschriebenen Funktionen nicht übernehmen.
  3. Das DrumSet spielt Grooves, Akzente, Fillins und Pausen. Das wars!

 

Bass Drum Technik
Foto: Achim Falkenthal (Bielefeld)

Ein Groove (engl. für Rille, z.B. die Rille einer Schallplatte) ist das Wechselspiel von Basstrommel und Snare (meistens auf den Vierteln und meistens in dieser Reihenfolge), womit wir einen Puls erzeugen. Zu den meisten Grooves gehört eine Begleitung, die meistens auf einem Metallinstrument (Becken) gespielt wird und aus gleichlangen (Metrik) Schlägen besteht.

Mit der Begleitung übernehmen wir hörbar das, was ein Dirigent sehbar mit seinem Taktstock macht. Wir steuern das Tempo, um so das Zusammenspiel zu ermöglichen (oder zumindest zu vereinfachen). Mit den Akzenten setzen wir das Arrangement (die Form des Stücks, also Anfänge, Übergänge und Wechsel von Teilen) hörbar um. Das ist das, was die meisten Dirigenten mit der Hand anzeigen, die keinen Taktstock führt.

Damit unsere Mitspielerinnen und Mitspieler uns folgen können, kündigen wir die Akzente mit Fill-Ins an. Um einen Fill-In spielen zu können, müssen wir unseren Groove unterbrechen. Dadurch entsteht eine Lücke, in die wir unseren Fill-In einfüllen. Wir können, wie alle Instrumente, Pausen machen und das ist das Einzige, was wir mit ihnen auf gleiche Weise machen.

In meinem Unterricht mache ich die Unterscheidung von Was und Wie. Was will ich spielen oder üben und wie kann ich das üben oder spielen.

Zu dem Wie und dem Was habe ich wiederum globale und allgemeine Aussagen, die die Grundlage meines Unterrichtes bilden. Diese Grundlagen werden die ersten Dinge sein, die ich hier zeigen werde.

Die erste Idee ist, dass wir unseren Körper auf zwei Weisen halbieren können: In rechte und linke Körperhälften und in obere (Arme) und untere (Beine) Körperhälften.

In diesen Unterteilungen können wir Bewegungen machen, die miteinander (gleichzeitig) sind, oder nacheinander (abwechselnd) sind. Diese Bewegungen nehmen aufeinander Bezug. In zweierlei Unterteilungen: Binäre Unterteilungen (x2 und :2, doppelt und halb) und ternäre Unterteilungen (x3 und :3, dreifach und drittel, Triolen).

Die allermeisten Menschen, die für Schlagzeug notieren, schreiben alles, was innerhalb eines Viertels passiert in einer Notengruppe auf. Weil die Länge eines Geräusches in der Regel von uns nicht beeinflusst wird (ausser z.B. Jack DeJohnette). Daraus ergibt sich eine begrenzte Menge an Notenbildern, die wir spielen oder üben können. Das nenne ich das binäre und ternäre Alphabet.

Hier kommt zum ersten - aber bestimmt nicht zum letzten - Mal das Alphabet in Noten als PDF und im Film. Der Text ist vollständig, der Film zeigt eine von "unendlich" vielen Möglichkeiten, "wie" wir das Alphabet üben können. Beschreiben können wir so fast alles, was auf herkömmliche Weise auf dem Drum-Set gespielt wird.

Selbstverständlich gibt es Drummerinnen und Drummer, die auf eine Weise ganz anders als die meisten anderen spielen und Dinge tun, die wir auf diese Weise nicht beschreiben können. Sucht mal nach Lê Quan Ninh. Der Mann ist unglaublich, Super!!!! Der spielt wirklich anders. 

 

Film - Nr. 1: Das Alphabet

Notenblatt: Binäres Alphabet
Notenblatt: Ternäres Alphabet

Film - Nr. 2: Koordination (Teil I)